„Mensch, du kommst ja ganz schön rum!“

„Mensch, Daniil, du kommst ja ganz schön rum“. Von vielen Bekannten, die ich länger nicht mehr gesehen habe, höre ich diese Aussage. Gestern erst hat mich ein Freund gefragt: „Hey, Daniil, warst du nicht letztens in London? Wie war’s?“

Schön war’s. Es war grandioses, sonniges (!) Wetter und ich war ganze zehn Stunden da – zuzüglich acht Stunden für An- und Rückreise.  Von der Stadt hatte ich auch was – eine Dreiviertelstunde im Taxi und beim Spaziergang zwischen der Eventlocation und dem großartigen Jamie Oliver Fifteen. Der Rest der Zeit war Arbeitszeit. Videos drehen, Fotos machen, Artikel schreiben, Interview geben. Schließlich ist man ja auch dafür da.

Eins vorweg: Ich mag es zu reisen. Ich mag es morgens in den Flieger zu steigen und zu wissen, dass ich in einigen Stunden in einer anderen Stadt oder in einem anderen Land bin. Die Sache ist nur die: Irgendwann ist es dir komplett egal wohin du fliegst.


Barcelona ist meine Lieblingsstadt. Tolle Atmosphäre und es gibt viel zu sehen. Allein schon die ganze Architektur, wenn man durch die Straßen läuft. Ein Gedicht.“

„Ja, ich bin auch sehr gerne da. Im Grunde jedes Jahr Ende Februar/Anfang März für eine Woche.“

„Cool, was ist dein Lieblingsort?“

„Das Messegelände…“


Ohne angeben zu wollen komme ich in der Tat ein bisschen rum. Letztes Jahr war ich vier Mal in München, drei Mal in Köln, eine Woche in Barcelona, ein Mal in Paris, Düsseldorf, Belgien, London und acht Tage in China. Für einen Studenten ist das zumindest überdurchschnittlich, würde ich meinen. Meine Vollzeit-Tech-Kollegen werden sicher drüber lachen. :-)All diese Reisen waren großartig und ich versuche auch keinen negativen Spin hier reinzubringen. Die meisten Presseveranstaltungen sind nicht nur bestens geplant, sondern machen auch viel Spaß. Mein Highlight ist aber immer sich mit den Menschen auszutauschen, die die Szene bestimmen – seien es PR-Verantwortliche, Ingenieure oder Journalistenkollegen.

Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien

Das Drumherum, das ist zwar meist schön, aber wirklich viel bekommt man davon nicht mit. Denn bei all den Reisen (zu den Ausnahmen kommen wir am Ende), die man geschäftlich unternimmt, hat man einfach keine Zeit sich die Umgebung anzuschauen. Anreise, einchecken, was essen, zum Event pilgern, tolles Abendessen, Bett. Das ist so der durchschnittliche Ablauf des ersten Tages. Der zweite? Packen, auschecken, Frühstück, Flughafen, nach Hause fahren, zack ist es 15 Uhr. Anderthalb Tage weg.


Letzten September hatte ich eine Woche, die hatte es in sich. Montag morgen nach Köln zur Photokina, Dienstag Abend zurück nach Berlin. Mittwoch morgen dann nach Düsseldorf, von dort aus über die Niederlande nach Belgien, am nächsten Tag wieder zurück. Passiert, wenn das eine Event schon gebucht wurde und die Einladung für das zweite zwei Tage vor Abreise eintrifft. Ihr könnt euch vorstellen wie gerädert ich am Ende der Woche war 😉


Fährt man also rein geschäftlich irgendwohin, dann ist das Geschäft selbstverständlich im Vordergrund, nicht das Rumkommen. Da ist es in der Regel einfach komplett egal, in welcher Stadt man aufwacht. Häufig sieht man von ihr nicht viel. Eines meiner ersten ausländischen Events war vor einigen Jahren in Paris. Ein großer Industrie-Software-Hersteller hatte eingeladen, weil er zusammen mit Historikern die unterschiedlichen Epochen von Paris in 3D nachmodelliert hat. Ich war an dem Tag 3,5 Stunden in der Luft, 3 Stunden im Flughafen, 2 Stunden in Bus- und Bahn und 5 Stunden im privaten Shuttle, der mich vom Flughafen zum Event und wieder zurückgefahren hat. Das einzige, was ich von Paris gesehen hatte, war die Weltausstellung von 1889, höchst detailgetreu in einem 3D Raum mit acht 4K Beamern dargestellt.

Die Ausnahmen

Umso schöner sind dann Events, die einem etwas Zeit geben, um zu verschnaufen. Einige Kollegen können dann dem Tagesgeschäft nachgehen und Artikel tippen – das verstehe ich. Wenn ich für meinen Kanal unterwegs bin, dann habe ich zum Glück nicht diesen Druck. Stattdessen kann ich mit Kollegen wie Gilly und Mike durch London streifen und Fotos mit dem gerade vorgestellten Telefon machen. Das macht dann richtig Spaß. Oder wenn das Event nach draußen verlagert wird und ein Photowalk von vorne herein geplant ist, vielleicht sogar mit einem Star-Photografen, der dann sogar ein Portrait von dir schießt.

In jedem Fall ist es aber so, dass die Arbeit im Vordergrund steht. Von außen mögen die ganzen Reisen toll vorkommen. Sie sind es auch, sie machen sogar enorm viel Spaß. Aber sie sind kein Urlaub. Man kommt rum, ohne rumzukommen und das ist auch okay so.

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