Ist mein zwei Jahre alter Smart Fortwo eine Schrottkiste?

Es gibt Momente im Leben, in denen sagt man sich „Ich habe keine Lust mehr!“ Manchmal ist es die Beziehung, ein anderes Mal der Job oder die aktuelle Richtung der Politik. Bei mir ist es gerade das Auto, ein zweieinhalb Jahre alter Smart Fortwo (C453), der mittlerweile zum siebten Mal außerplanmäßig in der Werkstatt war.

Ich liebe mein Auto. Es ist ein schöner Smart Fortwo mit Baujahr 12/2014, also das neue C453 Modell. Mit seinem 71PS Dreizylinder Benziner ist er nicht der schnellste, der Motor hat aber gereicht, um damit zwei Mal die Alpen zu überqueren. In der Stadt bekomme ich so manche Parklücke, bei der ich im Nachhinein selbst staune, dass ich reingepasst habe. Nur eins ist mein Smart Fortwo nicht: Zuverlässig.

Mit gerade einmal 2500 Kilometern habe ich ihn ein Jahr nach Erstzulassung in Lübeck gekauft. Frisch eingefahren sozusagen. Für einen Preis von knapp über 9000 Euro war er zu der Zeit das Schnäppchen deutschlandweit – es gab keinen günstigeren, erst recht nicht in der Ausstattung. Bis auf die Ledersitze und die Automatik fehlt ihm eigentlich nichts und beides wollte ich eh nicht. Der größte Vorteil des Angebots: Der Händler war die Mercedes-Benz Niederlassung, womit eine jung@smart Garantie inbegriffen war. Zwei Jahre sorgenfrei fahren, der Umfang entspricht der Neuwagengarantie und gilt europaweit. Im Nachhinein hat mir diese Garantie viele grüne Scheine gespart, wie wir gleich sehen werden. Denn der mein Smart Fortwo ist gefühlt so zuverlässig wie ein Trabbi nach zwanzigjähriger Standzeit.

Ein Theater in sieben Akten.

Erster Akt

April 2016, seit fünf Monaten fahre ich den kleinen, alles ist bestens und ich ahne nichts. Ich fahre zur Pressekonferenz des HTC 10 in Berlin. An der Ampel geht der Smart aus. Soweit so gut, Start-Stop-Automatik ist aktiv. Die Ampel springt um, der Wagen geht nicht an. Nichts hilft. Also aussteigen, um die Ecke schieben, Mobilitätsservice anrufen.

Der Mobilitätsservice „Smart Assistance“ ist im ersten Jahr der Garantie kostenlos. Er deckt mögliche Pannen ab, ist also so ähnlich wie eine ADAC-Mitgliedschaft. Nein, Moment, im Grunde ist er so gut wie eine ADAC-Mitgliedschaft. Denn die Kollegen im Smart Callcenter nehmen nur eure Daten auf und leiten sie an – richtig – den ADAC weiter. Der kommt mit einem Pannenwagen vorbei und wenn die Kollegen nicht weiterkommen, wird ein Abschleppdienst geschickt.

In dem Fall konnten die Kollegen helfen, die Batterie war leer. Ich durfte also zum Smart Center am Salzufer selbst fahren. Dort gab’s bis zum nächsten Tag einen Leihwagen (in der Mobilitätsgarantie enthalten). Am nächsten Morgen werde ich angerufen: „Ihr Auto ist fertig, es wurde ein Software-Update eingespielt“

Zweiter Akt

Eine Woche später. Wieder eine Ampel, wieder geht der Wagen nicht an. Same procedure, James! Wieder der Anruf am nächsten Tag, „Ihr Auto ist fertig, es wurde die Batterie gewechselt“

Dritter Akt

Mittlerweile ist Mai, es wird warm. Zeit die Klimaanlage anzuschmeißen! Doch die geht nicht. Wieder zum Smart Center. Diagnose: Keine Kühlflüssigkeit in der Klimaanlage. Zu dem Zeitpunkt war das Auto 1,5 Jahre alt und hatte einen Sommer hinter sich.

Vierter Akt

Juli 2016, der Smart nimmt kurzzeitig das Gas schlecht an, eine Fehlermeldung erscheint. Wieder ein Anruf bei Smart Assistance: „Erscheint der Fehler, wenn der Wagen neu gestartet wird? Nein? Dann sollten Sie sich keine Sorgen machen. Wenn die Fehlermeldung nicht wiederkommt, ist alles in Ordnung.“ Na gut.

Fünfter Akt

Anfang August. Es steht der Italien-Urlaub an. Von meinen Eltern werde ich kritisch gefragt, ob ich auch wirklich mit diesem Auto runterfahren will. Ich bin guter Dinge, schließlich haben es andere auch schon geschafft. Der Wagen ist kompakt bepackt, es geht über München nach Samnaun in der Schweiz. Doch ich komme nur 80 Kilometer weit. Erneut nimmt der Smart das Gas schlecht an, wird langsamer. Abfahrt zur nächsten Tankstelle. Abstellen, neu starten, das Auto fühlt sich an wie eine Waschmaschine im Schleudergang. Ich komme nicht vom Fleck.

Die Reihenfolge ist bekannt. Smart Assistance, ADAC. Die können diesmal nicht helfen, also Abschlepper. Der schleppt mich aus Kulanz immerhin nach Potsdam. Gegen 15 Uhr ist das Auto fertig. Diagnose: Eine Zündspule war defekt, ein Zylinder lief dadurch nicht. 7 Stunden verloren, gegen Mitternacht komme ich in der Schweiz an.

In den engen Bergstraßen macht der Smart Fortwo Spaß

Sechster Akt

Mittlerweile ist Ende Mai 2017. Der Smart hatte Ende letzten Jahres seine zweite Inspektion ohne Probleme überstanden. Immerhin zehn Monate ist er ohne Fehler gelaufen, bis jetzt. Vor einigen Tagen meldete sich nämlich wieder ein Fehler: „Start Stop Automatik gestört, bitte Werkstatt aufsuchen.“ Die Start-Stop Automatik hat sich generell in den letzten Wochen bemerkbar gemacht, indem der Anlasser manchmal kurz seine Arbeit unterbrach. Kein wirklicher Fehler, denn der Wagen ging trotzdem immer an. Diese halbe Gedenksekunde sah ich als Schönheitsfehler an. Auch riecht der Wagen beim Kaltstart manchmal nach Sprit.

Ich fahre also zum Smart Center. Der Service-Mitarbeiter behält den Wagen übers Wochenende, um den Fehler eingrenzen zu können, weil die Fehlermeldung nicht im Speicher zu finden ist. Montags der Anruf: „Ihr Auto ist abholbereit. Wir konnten keinen Fehler feststellen.“

Siebter Akt

Was nicht behoben wurde, ist nicht weg. Der Fehler ist mittlerweile wieder aufgetreten. Am Dienstag geht’s mal wieder zum Smart Center. Mal sehen, ob der Fehler diesmal behoben wird.

Ist mein zwei Jahre alter Smart Fortwo eine Schrottkarre?

Nach mittlerweile sieben (!) Fehlern und Reparaturen steht für mich diese Frage klar im Raum. Die Qualitätssicherung scheint bei Smart nur auf dem Papier zu existieren – anders kann ich mir all das nicht erklären. Mit 2500 Kilometern auf der Uhr war das Auto im Grunde neu, erst danach wurde er von mir regelmäßig bewegt. Mittlerweile ist er bei 23000 Kilometern, ich habe damit also auch keine Weltreise gemacht. Auch die übliche Strecke beträgt bei mir 17 Kilometer in eine Richtung, es ist also kein Kurzstreckenauto.

Ende des Jahres läuft die Garantie aus, danach kostet all das da oben Geld. Es sei denn ich schließe eine Garantieverlängerung für 309 Euro im Jahr ab. Dann sind Reparaturen weiterhin kostenlos.

Nur: Habe ich überhaupt noch den Nerv dazu?

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